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Kreuzfahrten: Langfristiges Wachstum dank starker struktureller Treiber
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In den vergangenen Jahren haben Kreuzfahrtgesellschaften eine bemerkenswerte operative und finanzielle Resilienz gezeigt. Dies war trotz geopolitischer Spannungen, der Unsicherheit rund um die US-Zollpolitik, der Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten, eines herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds sowie höherer Energiekosten möglich.
Auch die Aussichten bleiben positiv. Die führenden Kreuzfahrtgesellschaften berichten weiterhin von Rekordbuchungen, sowohl hinsichtlich des Volumens als auch der erzielten Preise. Die Visibilität reicht inzwischen bis in die Jahre 2027 und 2028. Auch die Kundeneinlagen, ein weiterer wichtiger Frühindikator für die Nachfrage, legten im zweiten Quartal 2026 weiter zu. Carnival, Royal Caribbean Cruises und TUI Cruises meldeten dabei jeweils neue Rekordstände.
Diese Widerstandsfähigkeit mag auf den ersten Blick überraschen. Unserer Ansicht nach ist sie das Ergebnis einer Kombination struktureller Wachstumstreiber, die dazu beitragen, die dem Sektor innewohnende Zyklizität abzufedern.
Demografische Entwicklung: ein starker langfristiger Wachstumstreiber
Die alternde Bevölkerung dürfte auch künftig ein wichtiger Treiber der langfristigen Nachfrage bleiben. Kreuzfahrten eignen sich besonders gut für eine zunehmend wohlhabende Bevölkerungsgruppe, die nach und nach Aktivitäten mit höheren körperlichen Anforderungen durch komfortablere Freizeit- und Reiseformen ersetzt. Verstärkt wird dieser Trend durch die Konzentration des Vermögens bei älteren Generationen. In den USA verfügen die Babyboomer (69 bis 79 Jahre) sowie ältere Generationen (die Silent Generation und ältere Jahrgänge) laut Daten der Federal Reserve über rund 70 % des nationalen Vermögens. Dies sorgt für eine erhebliche Kaufkraft im Freizeit- und Reisesektor.
Wichtig ist jedoch, dass Kreuzfahrten längst nicht mehr ausschließlich ein Angebot für ältere Generationen sind. Nach Angaben der Cruise Lines International Association (CLIA) liegt das Durchschnittsalter von Kreuzfahrtgästen inzwischen bei lediglich 47 Jahren, während mehr als ein Drittel der Passagiere jünger als 40 Jahre ist. Zudem sind mehr als ein Drittel aller Passagiere Erstkunden, was die anhaltende Fähigkeit der Branche unterstreicht, neue Kundengruppen zu gewinnen.
Die Nachfrage wird darüber hinaus durch eine außergewöhnlich hohe Bindung jüngerer Generationen unterstützt. Laut CLIA geben unter den befragten Personen mit Kreuzfahrterfahrung mehr als 80 % der Generation X (1965 bis 1980) und der Millennials (1981 bis 1996) an, erneut eine Kreuzfahrt unternehmen zu wollen. Bei der Generation Z (1997 bis 2012) liegt dieser Anteil bei nahezu 75 %. Das Ergebnis ist eine breite und zunehmend diversifizierte Kundenbasis, die ein langfristiges, generationenübergreifendes Nachfragewachstum unterstützt.
Der Vermögenseffekt stützt die Ausgaben für Freizeit und Reisen
Die anhaltend robuste Entwicklung an den Finanzmärkten unterstützt weiterhin die Ausgaben für nicht lebensnotwendige Reisen, insbesondere in den USA, wo das Vermögen der privaten Haushalte eng mit der Entwicklung der Aktienmärkte verknüpft ist. Steigende Vermögenswerte erzeugen einen wichtigen Vermögenseffekt, der die Bereitschaft der Verbraucher erhöht, Geld für Freizeitaktivitäten und Reisen auszugeben. In einer Bloomberg-Umfrage vom April 2026 gaben nahezu zwei Drittel der Befragten an, ihre Reiseausgaben erhöhen zu wollen, ein Wert, der gegenüber dem Vorjahr weitgehend unverändert blieb. Eine weitere Umfrage im Mai zeigte, dass rund die Hälfte der Befragten ihr Urlaubsbudget trotz gestiegener Reisekosten weiter erhöhen würde. Dieser Anteil lag über dem Niveau vom November.
Höhere Zinsen sorgen zudem für zusätzlichen Rückenwind. Reisende über 60 Jahre machen rund ein Drittel aller Reisenden aus und erzielen einen bedeutenden Teil ihrer Einkünfte aus festverzinslichen Anlagen, darunter Anleihen und Sparprodukte. Der Zinserhöhungszyklus der Jahre 2022 bis 2025 hat die laufenden Kapitalerträge dieser Altersgruppe deutlich gesteigert. Dieser Effekt dürfte sich weiter verstärken, wenn bestehende Portfolios schrittweise in höher verzinsliche Anlagen umgeschichtet werden und Anleger sich attraktive Kupons langfristig sichern. Wir sind der Ansicht, dass diese Entwicklung insbesondere in Europa unterstützend wirkt, da Anleger dort in der Regel ein defensiveres Anlageprofil aufweisen.
Attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis und hohe Kundenzufriedenheit
Führungskräfte der Branche gehen davon aus, dass Kreuzfahrten im Vergleich zu einem vergleichbaren landgestützten Urlaub um 25 bis 30 % günstiger sein können. Dieses attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis ergibt sich aus dem All-inclusive-Charakter des Produkts, der Unterkunft, Transport zwischen verschiedenen Reisezielen, die meisten Mahlzeiten, Unterhaltung, Kinderprogramme sowie eine Vielzahl von Aktivitäten an Bord umfasst.
Diese Erschwinglichkeit wird besonders attraktiv, wenn die Kaufkraft der privaten Haushalte unter Druck steht. In den beiden Jahren nach der globalen Finanzkrise 2007/2008 stieg die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere um rund 7 % pro Jahr. Anschließend beschleunigte sich das Wachstum bis zum Ausbruch der Covid-19-Pandemie auf eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von etwa 8 %. Nach dem pandemiebedingten Tief benötigte die Branche nur einen vergleichsweise kurzen Zeitraum für die Erholung und übertraf bereits innerhalb von zwei Jahren wieder das Passagieraufkommen vor der Pandemie.
Customer satisfaction provides an additional support for demand. Industry surveys indicate that nearly 90% of cruisers intend to sail again. Strong repeat demand and positive word-of-mouth reinforce booking momentum and may become even more valuable as AI-driven travel discovery expands and customer ratings play a greater role in travel recommendations.
Ein weiterer wichtiger Nachfragefaktor ist die hohe Kundenzufriedenheit. Branchenumfragen zeigen, dass nahezu 90 % der Kreuzfahrtgäste eine weitere Kreuzfahrt planen. Die hohe Wiederbuchungsrate und positive Weiterempfehlungen stärken die Buchungsdynamik zusätzlich. Dies dürfte künftig noch wichtiger werden, da KI-gestützte Reiseplattformen zunehmend an Bedeutung gewinnen und Kundenbewertungen einen immer größeren Einfluss auf Reiseempfehlungen haben.
Geringe Marktdurchdringung, Angebotsdisziplin und Marktstruktur
Das langfristige Wachstumspotenzial der Branche bleibt erheblich. Laut der Cruise Lines International Association (CLIA) entfallen auf Kreuzfahrtschiffe weniger als 1 % der weltweiten Handelsflotte, während Kreuzfahrten lediglich rund 3 % aller internationalen Touristenankünfte ausmachen.
Nordamerika steht für etwa 55 % aller Kreuzfahrtpassagiere weltweit und ist nach wie vor der am stärksten durchdrungene Markt. Doch selbst dort haben Schätzungen zufolge bislang nur 20 bis 25 % der US-Bevölkerung jemals eine Hochseekreuzfahrt unternommen.
Nach Angaben der CLIA dürfte die Zahl der Passagiere bis 2029 weiterhin mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 3 % zulegen. Entscheidend ist dabei, dass die größte Einschränkung derzeit nicht auf der Nachfrageseite, sondern auf der Angebotsseite liegt. Der Bau neuer Schiffe konzentriert sich auf wenige europäische Werften, insbesondere Fincantieri, Meyer Werft und Chantiers de l’Atlantique. Die Kosten für einen Neubau können bis zu 2 Milliarden US-Dollar pro Schiff betragen, während sich die Lieferzeiten häufig über mehrere Jahre erstrecken.
Zusätzliche Unterstützung erhält die Branche durch ihre oligopolistische Marktstruktur. Die fünf größten Kreuzfahrtgesellschaften kontrollieren gemeinsam mehr als 90 % der weltweiten Kapazitäten. In Kombination mit den begrenzten Kapazitäten der Werften und den mehrjährigen Lieferzeiten für neue Schiffe fördert diese Marktkonzentration eine disziplinierte Preissetzung und verringert das Risiko eines irrationalen Kapazitätsausbaus.
Bilanzsanierung und positive Ratingdynamik
Das anhaltende Passagierwachstum und das begrenzte Angebot haben im gesamten Sektor zu einer deutlichen Verbesserung der Bilanzen geführt. Die Nettoverschuldung der Marktführer Carnival und Royal Caribbean Cruises, die zusammen mehr als 70 % des Marktes repräsentieren, sank im Jahr 2025 auf das 3,0- bis 3,5-Fache des EBITDA. Zum Vergleich: 2023 lag dieser Wert noch bei etwa dem 5- bis 7-Fachen.
Ähnliche Entwicklungen waren auch bei anderen Anbietern wie Norwegian, Viking und TUI Cruises zu beobachten. Dort verringerte sich die Verschuldung seit 2023 im Durchschnitt um rund das Zweifache des EBITDA.
Dieser positive Trend spiegelt sich auch in den Kreditratings wider. Carnival und Royal Caribbean Cruises wurden seit dem Tiefpunkt der Jahre 2020 bis 2022 kumuliert um etwa fünf bis sieben Ratingstufen heraufgestuft und verfügten bis 2025 jeweils wieder über mindestens ein Investment-Grade-Rating.
Wir erwarten, dass sich diese Entwicklung fortsetzt. Konsensschätzungen gehen davon aus, dass das EBITDA der drei größten börsennotierten Kreuzfahrtgesellschaften zwischen 2026 und 2028 um durchschnittlich rund 9 % pro Jahr wachsen wird. Gleichzeitig dürften die Investitionsausgaben auf einem gut beherrschbaren Niveau bleiben. Dadurch sollte sich die Verschuldung in den kommenden Jahren weiter den Vor-Pandemie-Niveaus von etwa dem 2- bis 3-Fachen des EBITDA annähern.
Risiken sollten nicht außer Acht gelassen werden
Trotz dieser strukturellen Rückenwinde bleibt der Sektor verschiedenen Risiken ausgesetzt, die angesichts der hohen Kapitalintensität und des ausgeprägten operativen Hebels der Branche ernst genommen werden sollten.
- Geopolitische Risiken
Geopolitische Entwicklungen stellen weiterhin einen wesentlichen Risikofaktor dar. Die jüngste Eskalation im Zusammenhang mit dem Iran hat die Nachfrage nach bestimmten Reiserouten im Nahen Osten beeinträchtigt und die Kapazitätsplanung mehrerer Anbieter erschwert. Besonders betroffen war TUI Cruises. Zwei Schiffe einer Flotte von rund einem Dutzend Schiffen konnten zwischen Mitte März und Mitte Mai nicht planmäßig eingesetzt werden und waren im Persischen Golf gebunden. Dies belastete vorübergehend das Umsatzwachstum und die Profitabilität im zweiten Quartal.
Eine weitere Verschlechterung der geopolitischen Lage könnte deutlich weitreichendere Folgen haben, insbesondere wenn strategisch wichtige Kreuzfahrtregionen wie die Karibik betroffen wären. Auf die Region entfallen mehr als 40 % des weltweiten Passagieraufkommens, zudem ist sie stark von der Nachfrage aus Nordamerika abhängig.
- Nachfrageschock auf Verbraucherseite
Trotz der zuvor beschriebenen strukturellen Unterstützungsfaktoren bleiben Kreuzfahrten eine diskretionäre Ausgabe. Eine schwere Rezession, verbunden mit einer Abschwächung des Arbeitsmarktes und negativen Vermögenseffekten, könnte die Buchungsdynamik, die Ausgaben an Bord sowie die Preissetzungsmacht der Unternehmen belasten. Die Entwicklung der Branche nach der globalen Finanzkrise sowie während der Erholung nach der Pandemie deutet zwar auf eine höhere Widerstandsfähigkeit hin als in vielen anderen Bereichen der Freizeitindustrie. Dennoch würde die Nachfrage im Falle einer ausreichend tiefen makroökonomischen Abschwächung anfällig bleiben.
- Treibstoffkosten
Auch die Treibstoffpreise bleiben eine Quelle von Volatilität. Die Kosten für Schiffstreibstoff machen typischerweise rund 10 bis 15 % der operativen Kosten von Kreuzfahrtgesellschaften aus. Allerdings profitiert die Branche von einer robusten Nachfrage und einem begrenzten Kapazitätswachstum. Dies stärkt die Preissetzungsmacht der Anbieter und hilft ihnen, inflationsbedingte Kostensteigerungen aufzufangen. Die Auslastungsraten liegen teilweise sogar über 100 %, was diese Entwicklung zusätzlich unterstützt. Darüber hinaus bietet die Absicherung von Treibstoffpreisen einen gewissen Schutz vor Preisschwankungen, auch wenn die Strategien zwischen den Anbietern deutlich variieren. Carnival verzichtet beispielsweise auf die Absicherung seines Treibstoffverbrauchs, während TUI Cruises den Großteil seines Bedarfs hedgt.
ESG: Eine zentrale Herausforderung, bei der Fortschritte sichtbar werden
Die Kreuzfahrtindustrie steht weiterhin unter erheblicher ESG-Beobachtung. Zu den wichtigsten Themen zählen die hohe Energieintensität von Kreuzfahrtschiffen, Treibhausgasemissionen, lokale Luftverschmutzung, die Aufbereitung von Abwasser, das Abfallmanagement sowie die Belastung von Reisezielen durch Overtourism. Vor diesem Hintergrund sehen sich die Betreiber mit zunehmend strengeren Umweltauflagen und CO₂-Bepreisungsmechanismen konfrontiert. Dies dürfte im Zeitverlauf zu höheren Betriebskosten führen. Ein Beispiel hierfür ist die schrittweise Einbeziehung der Emissionen des Sektors in das europäische Emissionshandelssystem (EU ETS): Seit 2024 erfolgt eine teilweise Einbeziehung, ab 2026 gilt die Regelung vollständig.
Die Branche wartet zudem auf die endgültige Positionierung der International Maritime Organization (IMO) hinsichtlich des vorgesehenen Dekarbonisierungspfads. Das grundlegende Net-Zero Framework wurde 2025 als Teil der IMO-Strategie, die internationale Schifffahrt bis etwa 2050 auf Netto-Null-Emissionen auszurichten, grundsätzlich verabschiedet. Die formelle Annahme wurde jedoch aufgrund politischen Widerstands, insbesondere aus den USA, verschoben. Die nächste wichtige Entscheidung wird nun im Oktober 2026 erwartet. In der Praxis ist die Richtung jedoch klar: Verbindliche Vorgaben zur Verringerung der Emissionsintensität von Treibstoffen sowie CO₂-Bepreisungsmechanismen gelten als wahrscheinlich. Unsicherheit besteht derzeit vor allem hinsichtlich des endgültigen rechtlichen Rahmens und des zeitlichen Ablaufs. Die Auswirkungen dürften sich in erster Linie in höheren Kosten für die Einhaltung regulatorischer Vorgaben und steigenden Treibstoffkosten niederschlagen. Hinzu kommen potenzielle Investitionen in Neubauten und Nachrüstungen, um die Energieeffizienz zu verbessern, den Einsatz kohlenstoffärmerer Kraftstoffe zu ermöglichen und die Nutzung von Landstrom in Häfen auszuweiten. Langfristig könnte dies eine schnellere Flottenerneuerung und nachhaltigere Kreuzfahrtangebote unterstützen, gleichzeitig jedoch die Margen belasten und in einigen Fällen auch zu höheren Ticketpreisen führen.
Als Reaktion darauf investiert die Branche verstärkt in die Verringerung ihres ökologischen Fußabdrucks. Die meisten großen Kreuzfahrtgesellschaften haben sich Netto-Null-Ziele bis 2050 gesetzt. Einige Unternehmen, darunter Royal Caribbean Cruises, streben zudem eine offizielle Validierung ihrer Klimaziele durch die Science Based Targets Initiative (SBTi) an. Auch innerhalb der Flotte sind Fortschritte sichtbar: Derzeit verfügen 57 % der bestellten Schiffe über Mehrstoff-Antriebe, verglichen mit lediglich 19 % im Jahr 2017. Dadurch gewinnen die Betreiber mehr Flexibilität, um erneuerbare und kohlenstoffärmere Kraftstoffe einzusetzen, sobald diese wirtschaftlich verfügbar sind, die Hafeninfrastruktur weiter ausgebaut wird und sich die regulatorischen Rahmenbedingungen weiterentwickeln. Gleichzeitig setzt die Branche weiterhin auf Flüssigerdgas (LNG) als Übergangskraftstoff. Methanol gilt als der nächste wichtige Schritt hin zu größerer Flexibilität. Die Branche versucht bewusst, ihre technologischen Optionen offen zu halten, um künftig auf Bio-LNG, E-Methanol oder andere kohlenstoffarme Kraftstoffe umsteigen zu können, sobald Angebot und Infrastruktur ausreichend entwickelt sind. Die CLIA geht davon aus, dass bis 2036 insgesamt 32 Dual-Fuel-Kreuzfahrtschiffe im Einsatz sein werden, darunter sieben methanolfähige und 25 LNG-fähige Schiffe.
Darüber hinaus investieren die Betreiber in Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz, in die Optimierung von Routen, Systeme zur Abfallreduzierung sowie in Landstrominfrastruktur. Im Bereich der Energieeffizienz investiert Carnival beispielsweise in Technologien zur Senkung des Treibstoffverbrauchs, darunter die sogenannte Luftschmierung (Air Lubrication), die den Reibungswiderstand zwischen Schiffsrumpf und Meerwasser verringert. Ein bedeutender Teil des Stromverbrauchs an Bord entfällt auf die sogenannten „Hotelfunktionen“ eines Kreuzfahrtschiffs. Dieser oft als „Hotel Load“ bezeichnete Verbrauch umfasst unter anderem Kabinen, Restaurants, Klimatisierung und Unterhaltungseinrichtungen und macht laut gängigen wissenschaftlichen Schätzungen, abhängig von Schiffstyp, Geschwindigkeit und Betriebsbedingungen, rund ein Drittel bis 40 % des gesamten Energieverbrauchs eines Kreuzfahrtschiffs aus. Bislang wird dieser Energiebedarf überwiegend durch Schiffskraftstoffe gedeckt. Landstrominfrastruktur ermöglicht es Schiffen hingegen, ihre Bordmotoren während der Liegezeit im Hafen abzuschalten und Strom direkt aus lokalen Netzen zu beziehen. Dadurch lassen sich lokale Emissionen reduzieren und die Umweltbilanz verbessern.
Insgesamt bleiben ESG-Risiken ein wichtiger Investitionsaspekt für den Kreuzfahrtsektor. Zwar hängt der langfristige Weg zu Netto-Null-Emissionen weiterhin von der Verfügbarkeit kohlenstoffarmer Kraftstoffe und der entsprechenden Infrastruktur ab. Die Betreiber investieren jedoch bereits heute in die Modernisierung ihrer Flotten, eine größere Kraftstoffflexibilität sowie Technologien zur Emissionsreduzierung und unternehmen damit einen ersten Schritt zur Verringerung ihres ökologischen Fußabdrucks.
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